Im Oktober 2010 planten meine Frau Tatjana und ich, Peter, eine Reise nach
Moldawien, um Verwandte meiner Frau dort zu besuchen. Meine Frau Tatjana
ist dort aufgewachsen und war dort 17 Jahre lang Grundschullehrerin. Da ich
noch nie in Moldawien war und wir mit dem Auto reisen wollten, war es für mich
fast so, wie eine Abenteuerreise.
Die Routenberechner im Internet
schlugen als schnellsten und
kürzesten Weg vor, über Polen und
die Ukraine nach Republik Moldau
(so heißt Moldawien jetzt) zu fahren.
Da wir jedoch eventuell längeren
Grenzaufenthalt an der Grenze
Polen/Ukraine und Ukraine/Moldau
vermeiden wollten, beschlossen wir
uns, den längeren Weg über
Tschechei, Slowakei, Ungarn und
Rumänien bis nach Chisinau, die Hauptstadt von Moldawien, zu benutzen, da
die zu durchfahrenden Länder bis nach Moldawien inzwischen alle EU-Länder
mit ent- sprechend offenen Grenzen sind und wir davon ausgingen, dass es zu
keinen Wartezeiten an irgendwelchen Grenzen geben würde, außer vielleicht
nach Moldawien. Die Gesamtlänge der Strecke von Hohenfelde (bei Elmshorn)
nach Chisinau beträgt dann somit etwa 2200 Kilometer. Das bedeutet, es
müsste einmal übernachtet werden. Die Planung war, gegen Mitternacht zu
fahren, um nicht in irgendwelche Staus zu geraten, die die Zeitplanung
durcheinanderbringen würden. Dann mußte ein Hotel gebucht werden. Damit wir
möglichst weit kommen, haben wir uns für Cluj-Napoca in Rumänien
entschieden, damit konnte zugleich noch ein Kurzbesuch bei einer ehemaligen
Schülerin von Tatjana verabredet werden. Den nächsten Tag würden wir dann
früh weiterfahren und am späten Nachmittag in Chisinau ankommen. Ein
günstiges Hotel in Cluj-Napoca wurde im Internet für 2 Personen incl. Frühstück
gebucht und eine Vignette für die Tschechei konnte ich ebenfalls im Internet
über den ADAC bestellen. Somit war die Hinreise geplant, mußte noch die
Rückreise geplant werden. Da die Route zurück die Gleiche war, habe ich mir
ausgerechnet, wieder morgens ganz früh zu fahren und dann ein Hotel in
Budapest zu reservieren. Auch das wurde dann kurzerhand per Internet erledigt.
Die Reise konnte losgehen. Da wir für die Verwandschaft allerhand Geschenke
im Auto verstaut hatten, unter anderem auch ein Klimastandgerät für meine
Schwiegereltern und auch noch einige Erwachsenenwindeln nebst Garschok für
Olga´s kranken Opa mit verstaut werden mußten, war der Wagen bis oben hin
voll. Mensch, haben wir gedacht, was werden die moldawischen Zöllner wohl
sagen, alles auspacken und genau kontrollieren? Na hoffentlich nicht.
Abfahrt
Nachts um 0:00 Uhr am 15.Oktober fuhren wir also los, sind glatt
durchgekommen und haben ca. 5:00 Uhr die tschechische Grenze passiert und
dank der zuvor schon besorgten Vignette konnten wir einfach
ohne Halt weiterfahren. Hinter Brno sind
wir Richtung Bratislava weitergefahren
und dann hat sich der Magen gemeldet.
Also haben wir an einer
Autobahntankstelle gefrühstückt,
getankt und eine Vignette für die
Slowakei besorgt. Kein Problem mit der
Sprache, der freundliche Mann an der
Kasse hat gebrochen deutsch
gesprochen. Wir waren satt und
zufrieden und weiter ging die Fahrt. Wir
waren schneller in der Slowakei als wir
gucken konnten, von Grenze war nicht
viel zu
sehen. Da war nur das EU-Schild und
das man jetzt in der Slowakei ist. Hier
konnten wir deutschsprachige Sender
aus Österreich im Radio hören. Aber
der Weg nach Ungarn ist ja nun nicht
sehr weit, eh wir uns umsahen, waren
wir auch schon an der Grenze. Hätte
ich eine Vignette, hätte ich einfach
weiterfahren können, so mußte ich
aber in ein ehemaliges Grenzgebäude
und dort eine Vignette kaufen. Auch hier
sprach der freundliche Mann deutsch,
aber mit österreichischem Akzent.
Weiter ging es Richtung Rumänien, wir
mußten aber Budapest tangieren. Und da hatten wir Pech. Auf dem Navi war
nicht eindeutig zu erkennen, welche Fahrspur die Richtige für uns ist. Als wir
den Fehler bemerkten, war ein Spurwechsel nicht mehr möglich und wir kamen
unweigerlich mitten in den Stadtverkehr von Budapest. Ich weiß nicht, ob das
nun jeden Tag hier so ist, aber es ist Freitagvormittag und ganz Budapest ein
Stau. Wir haben mehr gestanden, als das wir gefahren sind und haben hier
mehr als eine Stunde verloren. Irgendwann waren wir dann heraus aus dem
Gewusel und konnten, eben mit Verspätung, die Fahrt Richtung Cluj-Napoca
fortsetzen. Allerdings, wir fuhren weiterhin nach Navi, kam uns der Weg zur
rumänischen Grenze ziemlich lang vor. An der Grenze dann angekommen
wurden doch tatsächlich von den Grenzern unsere Pässe und die
Fahrzeugpapiere eingesehen. Darüber war ich dann doch erstaunt. 100 Meter
weiter war dann ein kleines Häuschen, da saß eine junge Dame drinnen und
verkaufte die RO-Vignette. Mit leichten Verständigungs-schwierigkeiten wurde
auch das geschafft. Allerdings frage ich mich, wofür die Vignette denn war,
haben wir doch keinen einzigen Kilometer Autobahn in Rumänien gesehen,
lediglich, das die dort in Bau war. Ab jetzt ging es nur noch über Landstraße und
ich mußte feststellen, daß das Navi viele Straßen in Rumänien gar nicht kennt.
Aber wir haben dann verspätet gegen 22:00 Uhr unser Hotel gefunden. Dort war
man sehr freundlich, das Zimmer war auch in Ordnung und somit konnten wir
noch zur späten Stunde die Familie der ehemaligen Schülerin meiner Frau
besuchen. Dort gab es erst einmal etwas zu Essen und dann gab es viel zu
erzählen. Naja, für mich weniger, ich verstehe ja kaum russisch. Russisch
deshalb, weil zur Sowjetzeit Moldawien ein Teil der Sowjetunion war und somit
dort russisch gesprochen und gelehrt wurde. Nach der Perestroika, als die
ehemaligen Sowjetländer wieder selbstständig wurden, durfte russisch an den
Schulen von Moldawien nicht mehr gelehrt werden, es wurde nur noch
moldawisch gesprochen. Moldawisch ist gleich rumänisch. Da meine Frau als
Grundschullehrerin aber nur russisch konnte, wurde sie in Moldawien arbeitslos
und hatte somit keine Perspektive mehr, Geld zu verdienen. Jedenfalls war es
bei der Familie sehr nett und wir haben auch erzählt, das wir sehr viel Gepäck
mithaben und befürchteten, wir müßten an der Grenze alles auspacken. Nun
hatten sie zufällig einen Bekannten, ein Busfahrer, der am nächsten Tag abends
abfahren würde und den Tag darauf, also Sonntag, in Chisinau ankommen
würde. Wir könnten einen großen Teil unseres Gepäcks dort lassen, der
Busfahrer würde alles mitnehmen und unser Auto würde nicht mehr so übervoll
aussehen. Das taten wir dann auch, in der Hoffnung, das am Sonntag in
Chisinau alles klappt.
Übernachtung in Cluj-Napoca und Weiterfahrt nach Moldawien
Unser Auto hatte es jetzt erheblich leichter und sah nicht mehr so voll aus. Nach
dem Besuch fuhren wir wieder zum Hotel, das Auto war auf einem
abgeschlossenen Parkplatz und wir gingen zufrieden schlafen. Morgens um
7:00 Uhr haben wir dann gefrühstückt. Allerdings gab es nicht wie gewohnt
Brötchen, sondern Eieromelette und Kaffee. Nach dem Frühstück fuhren wir
gleich weiter Richtung Moldawien. Eine Route, die uns vom Eheann der
Schülerin aufgegeben wurde, Karte hatten wir ja mit. Wir fuhren Mitten durch
Graf Dracula´s Gebiet, Transylvanien und durch die Karpaten. Wunderschön.
Aber irgendwie kommt man nicht so voran. Als Fortbewegungsmittel sieht man
auch etwas weniger Autos und immer mehr Pferdefuhrwerke. Meistens mit
einem Pferd, manche auch mit zwei Pferden. Auf dem Pferdefuhrwerk, so denke
ich, alles echte Zigeuner. Und die Fuhrwerke haben irgendwie alle Kennzeichen
dran? Naja, ist wohl so. Und wir haben die RO-Vignette und keine Autobahn.
Nur Straßen, wo man von einem Dorf in das Nächste kommt, also meistens 50
km/h. Nach dem wir dann aber Iasi passiert haben und entlang dem Grenzfluss
Prut nah an der moldawischen Grenze entlangfuhren, erreichten wir in der
Dämmerung den Grenzübergang Albati. Die rumänischen Zöllner winkten uns
durch und wir kamen bei den moldawischen Zöllnern zu stehen. Nachdem dann
unsere Papiere mitgenommen wurden, hatten wir wohl eine viertel Stunde
Wartezeit. Obwohl niemand vor uns war, konnten wir vorfahren und wieder etwa
15 Minuten warten. Danach kam ein Zöllner und wollte den Kofferraum sehen.
Ich machte auf, Tatjana sagte dann auf russisch, "ja, Pampers und Garschok für
Derduschka", also Windeln und Töpfchen für den Opa (kurz zuvor haben wir per
Handy die Nachricht erhalten, das Olga´s Opa gerade gestorben ist). Der
Kofferraum war ja nun auch bis oben hin vollgepackt mit Windeln, aber mehr
wollte der Zöllner dann zum
Glück nicht sehen. Wir wurden
dann zur Kasse geschickt, es
war dann noch ein
Umweltbeitrag von
umgerechnet 5 Euro zu zahlen,
weil wir mit dem Auto
einreisten und danach konnten
wir wieder weiterfahren.
1.Tag, Ankunft in Chisinau
Nun wurde es recht dunkel und
das Navi kennt nicht alle
Straßen, aber den Weg nach
Chisinau konnte er uns
weisen, auch wenn es vielleicht
ein Umweg war. Jedenfalls haben wir dann ca. gegen 19:00 Uhr unser Ziel
gefunden und Anatoli hat uns schon erwartet und uns zum Hauseingang gelotst,
wo wir das Gepäck direkt vor der Tür ausladen konnten. Anschließend hat er
uns zu einem nur etwa 100 Meter entfernten Tag und Nacht bewachten Parkplatz
geführt, dort konnten wir das Auto für bescheidene 8 Euro neun Tage abstellen.
Dann trafen wir bei diesen
beiden wunderbaren
Menschen ein, Anatoli und
Svetlana Barbei. Swetlana
ist die Cousine von meiner
Frau Tatjana. Hier durften wir
neun Tage sein. Anatol war
früher mal die rechte Hand
des Präsidenten und ist
heute Journalist für
Ökologie. Swetlana ist die
tolle rechte Hand von
Anatoli. Für die angenehmen
Tage in Chisinau danken wir
euch beiden recht herzlich.
Die liebevolle
Gastfreundlichkeit werde ich
nicht vergessen. Am nächsten Tag wurden wir mit der ganzen Familie von
Svetlana und Anatoli in
ein erstklassiges
Restaurant eingeladen.
Die Familie, das sind
die älteste Tochter
Marianna mit Ehemann
Sergej und Sohn
Dimitri, die jüngere
Tochter Elena mit
Ehemann Ruslan. Was
wir nicht wußten war,
dass Svetlana und
Anatol an diesem Tag
ihren 35. Hochzeitstag
feierten. Das war dann
doch für uns eine
große Überraschung
und somit feierten wir
35. Hochzeitstag und
Begrüßung der seltenen Gäste in einem. Der Tisch war reichlich verziert mit
tollen, essbaren Sachen für das Auge und den Gaumen ein Genuss. Getränke
wurden ständig nachgeschenkt, man konnte sich einfach nicht verweigern.
Obwohl ich kein einziges Wort verstand, Tatjana mußte mir alles auf deutsch
übersetzen, haben wir uns köstlich amüsiert.
2.Tag, Besuch bei Melesti Mici
Einen Tag später wurden wir zu einer Besichtigung eingeladen, zur Weinkellerei
"Melesti Mici", etwas außerhalb gelegen von Chisinau. Unser "deutscher
Sergej", so haben wir ihn genannt, weil er ein Schiffchen auf dem Kopf trug mit
deutschem Abzeichen darauf. Er hat es extra für uns aufgesetzt, allerdings
haben wir auch bemerkt, daß das Abzeichen das der DDR war, was aber für
Sergej aber wohl keinen Unterschied machte. Jedenfalls hat Sergej Svetlana
und uns dort hingefahren. Dort angekommen erfuhren wir dann, daß Milesti Mici
die größte Weinkellerei der Welt ist und daher auch im Guinnes-Buch
eingetragen ist. Die Weinkellerei ist unterirdisch und mit dem Auto befahrbar mit
einer gesamten zur befahrenen Strecke von weit über 200 km. Wir haben
natürlich nur einen ganz kleinen Bereich der Weinkellerei mit weiblicher Führung
befahren und besichtigt.
Nachdem wir eine ganze Zeit durch die unterirdischen Katakomben fuhren und
haben wir uns auch einige
Vorträge angehört. Für mich dann
auch speziell auf deutsch. Auf
dem Bild sieht man, dass die
Weinflaschen voller Spinnweben
sind. Diese darf man nicht
berühren oder entfernen, da diese
sehr wichtig für den Erhalt der
Temperatur sind. Was für mich
sehr interessant war, das war die
Aussage, dass der damalige
russische Präsident Gorbatschow
während der Perestroika verfügt
hat, sämtliche Weinbestände vom
Milesti Mici zu vernichten. Wer
nicht dort war, kann sich nicht vorstellen, welche unvorstellbaren Mengen Wein
und Sekt zu vernichten waren auf einer zu befahrbaren Gesamtstrecke von über
200 km Länge, links un rechts vom
Boden bis zur Decke gefüllt mit
Weinflaschen. Das fanden die Moldawier
nicht lustig und haben sich in geheimer
Mission etwas einfallen lassen. So hat
man eine Wand in einer unterirdischen
Straße derart manipuliert, dass eine
Wand quer zur Straße als eine nicht zu
identifizierende Schiebetür mit
Weinfächern eingebaut wurde. Hinter
dieser Tür waren so viele Kilometer
Platz, daß man den gesamten
Weinbestand dort lagern und sichern
konnte. Tür zu und den russischen Kontrolleuren konnte man ein vom Wein
befreites Milesti Mici vorführen. Die kannten sich ja schließlich nicht so genau
aus in diesen Katakomben. Nach der Perestroika, also nachdem auch
Moldawien wieder ein eigenständiges Land war, hat man den Wein wieder
herausgeholt und in die Fächer gestapelt. Auf meine Frage, ob denn
Gorbatschow später mal wieder im Milesti Mici war, hat man mir geantwortet,
“ja”. Da war ich natürlich neugierig und habe gefragt, was er denn dazu gesagt
hätte, dass man den Wein doch nicht vernichtet hat.
Antwort von Gorbatschow war darauf: “Das habt ihr wirklich gut gemacht”.
Nach der Begehung kamen wir dann an eine Wand, die von großen Weinfässern
verziert war. Plötzlich öffnete sich ein Weinfass und wir betraten einen großen,
hochherrschaftlichen Raum. Es ertönte Musik von von zwei Musikern in
Moldawischer Tracht, einer mit
Geige, der andere mit Akkordeon,
und wir wurden überascht, den sie
spielten deutsche Musik wie z.B.
“Rosamunde”. Unsere
Verwandten haben es denen zuvor
gegen Bares gesteckt, daß
deutscher Besuch kommt. Auf dem
Tisch dann tolle Verköstigung und
vier verschiedene Flaschen Wein
mit entsprechender Anzahl
Weingläser, die Wir dann alle
durchgekostet haben. Ein warer
Genuss für Auge und Gaumen.
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Moldawien